Im Modellstudiengang der Humanmedizin an der Universität Witten/Herdecke sind einige Pflichtfamulaturen und Wahlpflichtfamulaturen zu absolvieren. Da die Klinik insgesamt 6 Semester umfasst, verliert man schnell den Überblick, ob alle erledigt sind oder nicht. Dieser Bericht soll dabei helfen, diese zu strukturieren, da in der Klinik trotz Musterverläufe jeder individuell seine Famulaturen legen kann und somit dann individuell studiert. Eins zuallererst: An der UWH werden die Famulaturen nicht als Famulatur bezeichnet, sondern als Blockpraktika. Diese Änderung hat einen wichtigen Grund. Denn die Studierende der UWH absolvieren keine klassische Famulatur an einer Klinik, sondern erhalten im Rahmen ihres Blockpraktikums Unterricht vor Ort im jeweiligen Klinikum. Dieser Unterricht wird meistens von Oberärzten oder auch teilweise von Chefärzten geleistet und findet oft am Nachmittag statt. Vormittags haben die Studierenden Zeit, bei den Assistenzärzten mitzulaufen und ihre Kenntnisse im Patientenkontakt aufzufrischen. So ist es nicht verwunderlich, dass in den Zeitraum eines Blockpraktikums mehrere Studierende vor Ort sind, damit sich der Unterricht auch für die Klinik lohnt. Im Rahmen des Modellstudienganges werden klinische Blockpraktika in viel mehr Fachbereichen durchgeführt, als in der Ärztlichen Approbationsordnung zur Zulassung zum nächsten Staatsexamen gefordert werden. In dieser sind 5 Blockpraktika (Innere Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde, Frauenheilkunde und Allgemeinmedizin) für den Modellstudiengang Humanmedizin vorgeschrieben. An der Universität Witten/Herdecke werden die klinischen Semester in sechs Ausbildungsabschnitte unterteilt.
Der erste Ausbildungsabschnitt wird als „Klinische Grundlagen – Konservative Medizin“ bezeichnet. In diesem Abschnitt ist das erste Blockpraktikum, welches in der Inneren Medizin vorgesehen ist, zu absolvieren. Dieses Praktikum ist in der klinischen Phase das längste Praktikum am Stück und dauert insgesamt 6 Wochen. Es ist das erste Blockpraktikum und wird im fünften Semester abgeleistet.
Im zweiten Ausbildungsabschnitt geht es vor allem um die operativen Fächer, weshalb dieser auch als „Klinische Grundlagen – Operative Medizin“ zusammengefasst wird. In diesem Text werden Praktika in der Chirurgie (2 Wochen), Orthopädie/Unfallchirurgie (3 Wochen) und Allgemeinmedizin (2 Wochen) absolviert. Dieser Abschnitt findet zwischen dem fünften und sechsten Semester statt.
Nach diesen beiden Abschnitten haben die Studierenden optimalerweise ihre klinischen Grundlagen verfestigt, weshalb es nun in die Vertiefung spezifischer Fächer geht. Im 6./7. Semester folgen nun Blockpraktika in folgenden Fächern: Augenheilkunde (1 Woche), Dermatologie (2 Wochen), Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (2 Wochen) und die Urologie (2 Wochen). Diese Fächer werden als AHUD zusammengefasst und der dritte Abschnitt wird dann dementsprechend als "Vertiefung klinischer Wahlfächer (AHUD)" bezeichnet. Gleichzeitig ist im 6./7. Semester das Mantel-Curriculum vorgesehen. Das Mantelcurriculum ist ein unbenoteter Wahlpflichtblock, der 4 Wochen andauert. Dieser soll dazu dienen, dass die Studierenden ohne Leistungsdruck einen Fachbereich, der sie interessiert, näher kennenlernen können, um dann später die Facharztwahl zu erleichtern. Es wird in der Regel vom Studierenden an einer Klinik seiner Wahl selbst organisiert. In diesen vier Wochen findet kein Unterricht statt.
Im 7./8. Semester werden die neurologischen und psychiatrischen Kenntnisse vertieft. Dafür absolvieren die Studierenden jeweils 4 Wochen in der Neurologie und in der Psychiatrie. Auch hier ist idealerweise ein Wahlpflichtblock vorgesehen, und zwar das klinische Wahlfach. Voraussetzung zum Ableisten für dieses sind die erfolgreich absolvierten Ausbildungsabschnitte 1 und 2. Somit kann dies theoretisch schon ab dem 6. Semester abgeleistet werden. Im Regelstudienverlauf bietet sich jedoch dieses im 7./8. Semester an. Auch dies wird vom Studierenden selbstständig in einem Fach und einer Klinik seiner Wahl organisiert. Jedoch müssen bestimmte Bedingungen zur Anerkennung erfüllt sein, weshalb vor Antritt des Wahlfaches ein Antrag bei der Universität zu stellen ist. Außerdem ist nach diesem ein Leistungsnachweis mit einer anschließenden Benotung vor Ort (in der Klinik) zu erbringen. Es folgen nun weitere wichtige Fächer, für die ein jeder Arzt zumindest die Basics beherrschen sollte. Im 8./9. Semester ist das Gynäkologie- und Pädiatrie-Praktikum vorgesehen. Damit Du möglichst viel aus diesen Bereichen mitnimmst, werden auch hierfür jeweils 4 Wochen eingeplant.
Im letzten Ausbildungsabschnitt (auch als "Abschließende Blöcke" bezeichnet) werden noch einmal die Fächer Innere Medizin und Chirurgie vertieft (jeweils 4 Wochen). Da im ersten Ausbildungsabschnitt nach diesen Fächern keine Prüfung anstand, wird diese nun vor Ort im zweiten Praktikum gestellt. Es handelt sich dabei um eine Prüfung am Patientenbett: den OSLER (s. dazu die praktische Prüfung in der Kinderheilkunde). Des Weiteren werden in dieser Zeit Blockpraktika in der Anästhesie und Geriatrie absolviert (jeweils 2 Wochen) und auch hier findet im Anschluss eine Prüfung statt, die die Klinik bzw. Chefärzte dem Studierenden stellen.
Nach jeweils allen Blockpraktika ist eine kleine Prüfung zum Überprüfen der Kenntnisse vorgesehen. Diese findet entweder vor Ort oder am Campus statt. Teilweise sind die Prüfungen im realen Patientenkontakt (OSLER) oder im Simulationspatientenkontakt (OSCE). Zum Ende eines jeden Praktikums müssen die Studierenden eine Unterschrift vom Blockverantwortlichen (meistens der Chefarzt des jeweiligen Bereichs) auf ihrem Laufzettel abholen. Diese Laufzettel gibt es für jeden Ausbildungsabschnitt und sie müssen am Ende bei der Universität abgegeben werden, damit die Praktika anerkannt und eingetragen werden können. Es besteht auch die Möglichkeit, viele Blockpraktika im Ausland zu machen. Dafür muss der Studierende rechtzeitig einen gesonderten Antrag bei der Universität stellen und diesen Block selbstständig organisieren. Der einzige Nachteil bei den Auslandspraktika ist, dass kein Unterricht vor Ort angeboten wird. Doch auch hier hat die Universität eine gute Lösung parat. Denn vor Beginn eines jeden Ausbildungsabschnitts gibt es die Propädeutik. Die Propädeutik findet in der Regel am Campus statt und dient dazu, dass spezifische theoretische Grundlagen des jeweiligen Fachs vor Beginn des Praktikums aufgefrischt werden, damit Du in der Klinik nicht allzu peinlich berührt bist, da Du diese vergessen hast. Ihr seht also, dass das Studium an der UWH sehr praxislastig ist, denn hier gilt der Grundsatz "learning by doing".
Autorin: Saher Dilshad