Meine Erfahrung mit dem TMS

Es war endlich so weit. Nach monatelangem Pauken stand nun der TMS (Test für Medizinische Studiengänge) an. Ich hatte mich in der Nähe meines Heimatortes angemeldet und fuhr an diesem Tag mit der Bahn an den Standort. Bei der Hinfahrt war ich enorm nervös und aufgeregt. Ich wusste, dass so viel von dem Ergebnis für mich abhing. Würde ich es schaffen, den TMS mit einer sehr guten Prozentzahl abzuschließen? War ich eigentlich gut genug gewappnet für diesen Test? Ich wusste, dass ich nur diese eine Chance hatte, zu beweisen, dass ich unbedingt Medizin studieren wollte (der TMS durfte zu dieser Zeit nur einmal abgelegt werden). Das verstärkte meine Nervosität. Schließlich wusste ich, dass ich diese Chance nicht zum Schnuppern nutzen durfte und auch auf alle bösen Überraschungen bestmöglich vorbereitet sein sollte. Ich durfte mir keinen einzigen Fehltritt erlauben.

Du kennst das bestimmt mit der Pünktlichkeit und der Deutschen Bahn. Um auch hier nichts dem Zufall zu überlassen, nahm ich zu Sicherheit einen Zug früher, sodass ich an der Universität eine Stunde warten müsste, falls der Zug pünktlich eintraf. Zum Glück ging die Hinreise gut und ich konnte mir noch ein paar wichtige Sachen anschauen, bevor ich ankam. Ich versuchte mich zwar abzulenken, um die Nervosität herunterzufahren, doch da ich völlig allein zu dem Test hinfuhr, gab es nicht viele Möglichkeiten, sich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Als ich an der Universität eintraf, war ich überrascht. Es war schon ziemlich viel los und im Laufe der Zeit kamen immer mehr Teilnehmer dazu. Viele waren gemeinsam in Gruppen gekommen, sodass ich mich sehr alleine fühlte und anfing, meine Mitmenschen zu beobachten. Dabei fiel mir auf, dass das weibliche Geschlecht viel stärker vertreten war als das Männliche. Ich fragte mich, woran das lag, doch schnell verwischten meine Gedanken wieder. Diese Antwort habe ich erst viel später in meinem Studentenleben erfahren.

Alle unterhielten sich angeregt und die Spannung im Vorraum war merklich spürbar. Jeder wusste, wie viel auf dem Spiel stand und ich versank wieder in Selbstzweifel. War ich wirklich gut vorbereitet? Wie sollte ich mich durch alle diese Bewerber durchsetzen? In der Schule war ich eine durchschnittliche Schülerin gewesen und hatte auch immer dieses Gefühl vermittelt bekommen, konnte ich also wirklich in einem Teilbereich herausragend sein? Obwohl ich versuchte, meine Selbstzweifel wegzuschieben, blieben diese.

Hier habe ich einen kleinen Tipp für Dich: Ich glaube, es ist eine gute Idee, sich unter die Leute zu mischen und sich zu unterhalten. Dadurch kannst Du dich besser ablenken und solltest Du – wie ich – eher ein introvertierter Mensch sein, dann plane den Tag am besten mit anderen Freunden/Bekannten, die auch den Test ablegen wollen. Ich hatte in meinem Vorbereitungskurs (s. anderer Bericht) viele nette Menschen kennengelernt, wir hatten uns jedoch alle an unterschiedlichen Standorten für den TMS angemeldet, weshalb wir uns nicht trafen. Ich würde Dir wärmstens empfehlen, dass anders zu machen.

Nach einiger Zeit öffnete sich die Tür zum Vorlesungssaal. Unsere Sitzplätze waren nummeriert und wir mussten am Eingang unsere Einladungen vorzeigen, um an den uns zugeteilten Sitzplatz zu gelangen. Ich war schwer beeindruckt. Der Saal war riesig und die Planung enorm durchdacht. Die Organisatoren waren ziemlich streng und wir hatten zu unseren Sitznachbarn sehr viel Abstand. Langsam kehrte sich meine Nervosität um. Ich erinnerte mich an meine sehr lange Vorbereitungszeit und dass ich wirklich alles gegeben hatte, damit ich diesen Test gut bestehe. Nun konnte ich den Ausgang nicht mehr ändern und sollte mir selbst und meinen Fähigkeiten ein wenig Selbstvertrauen entgegenbringen.

Der Gong läutete und es kehrte langsam Ruhe ein. Die Organisatoren lasen nun die Regularien vor und erklärten den Ablauf des TMS. Der TMS besteht aus insgesamt 9 Aufgabenbereichen, die unterschiedliche Fähigkeiten testen. Manche kommen Dir vielleicht im ersten Moment komisch vor wie das schnelle Durchstreichen von verschieden Begriffen/Zahlen in einem vorgefertigten Absatz. Doch es geht hierbei darum, deine Konzentrationsfähigkeit bei akuter Belastung zu testen. Wenn Du das aus diesem Blickwinkel betrachtest, merkst Du, dass das natürlich eine essenzielle Eigenschaft ist, die ein Arzt in plötzlich eintretenden Belastungssituationen beherrschen sollte. Du siehst also alle Aufgabenbereiche haben etwas mit deinem Berufsleben bzw. Deinem Studium zu tun. Insgesamt geht der Test etwas länger als 6 Stunden (einstündige Mittagspause inbegriffen). Die Aufgabenbereiche haben eine bestimmte vorgeschriebene Zeit, nachdem immer der Gong erklang und dann mussten die Aufgaben sofort weggelegt werden. Wer weitermachte, riskierte, dass der Test für ihn frühzeitig beendet war.

Nach der ersten Aufgabe kam ich so langsam in die Aufgaben rein und da ich mich so konzentrieren musste, vergaß ich, was auf dem Spiel stand, und verlor langsam meine Aufregung. Insgesamt war der Test sehr schwer und manche Aufgaben auch etwas anspruchsvoller, als ich sie gelernt hatte. Ich versuchte mich jedoch nicht an diesen aufzuhängen, um keine wertvolle Zeit zu verlieren. Hinterher war ich sehr geschafft von diesem Erlebnis und nun hieß es warten, bis die Ergebnisse kommen. Ich hatte ein gutes Gefühl, als ich den Saal verließ, doch gleichzeitig wusste ich nicht, ob ich wirklich so gut gewesen war, um im Vergleich zu den anderen Teilnehmern eine hohe Prozentzahl zu erreichen.

Im nächsten Monat lenkte ich mich ab und versuchte den Test weit von mir zu schieben. Als die Ergebnisse dann endlich kamen, war ich einerseits erleichtert, endlich zu wissen, wie ich abgeschnitten hatte, aber andererseits packte mich auch die Angst. Tatsächlich war der TMS nicht schlecht ausgefallen und ich hätte es mit dem Ergebnis wahrscheinlich bei einer staatlichen Universität geschafft, doch vorher stieß ich auf die Universität Witten/Herdecke, weshalb ich das Ergebnis doch nie gebraucht habe, um mich zu bewerben und mir einen Studienplatz zuzusichern.

Lass Dich vom TMS nicht unterkriegen. Wenn er bei Dir nicht gut laufen sollte, dann gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Medizin zu studieren. Damit solltest Du dich am besten schon vorher auseinandersetzen, um den Druck für Dich vor der Prüfung rauszunehmen. Mir hätte dies auf jeden Fall geholfen, um den Tag besser zu überstehen und mich nicht verrückt zu machen.