Ein wichtiges Thema, mit dem sich viele Studierenden beschäftigen, ist die Familienplanung. Da das Medizinstudium insgesamt 6 Jahre geht, ist es nicht unüblich, schon währenddessen mit dieser zu starten. Doch noch heute gibt es für Frauen einige Einschränkungen durch eine Schwangerschaft.
In diesem Artikel möchte ich vor allem auf die Schwangerschaft während Deines Praktischen Jahres eingehen und was dies für Dein Studium bedeuten kann.
Wenn auch Du Dich mit diesem Thema in naher Zukunft beschäftigst, ist die erste Anlaufstelle natürlich Deine Universität. Bei uns fand circa ein Jahr vor dem PJ eine Informationsveranstaltung statt. In dieser wurde auch kurz auf eine Schwangerschaft während des PJ eingegangen. Da uns die Präsentation der Veranstaltung im voraus verschickt wurden, schaute ich mir diese Folie etwas genauer an und notierte mir einige Fragen zu diesem Fall. Selbst wenn eine mögliche Schwangerschaft bei Dir noch überhaupt nicht in Planung ist, würde ich Dir (vor allem als Frau) empfehlen, dich vorher mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Schließlich kann man nicht alles planen und Du weißt vielleicht auch noch nicht, wo Du in einem oder zwei Jahren stehen wirst.
An unserer Universität bedeutet eine Schwangerschaft während des PJ, dass der Betriebsarzt der Uni ein Beschäftigungsverbot ausspricht. Das heißt also, sobald Du weißt, dass Du schwanger bist, bist Du verpflichtet, dies Deiner Klinik und Deiner Universität unverzüglich zu melden. Danach bekommst Du ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen und bist erst mal raus. Doch was bedeutet das nun für das PJ und dein Studium?
Während des Beschäftigungsverbots ist es Dir nicht erlaubt, in den normalen Klinikalltag einzusteigen oder aber durch eine Ersatzleistung das PJ zu beenden. Die Zeit, die du bis dahin in Deinem Praktischen Jahr verbracht hast, werden Dir angerechnet. Die restliche Zeit musst Du nachholen. Doch Vorsicht! Solltest Du planen, längere Zeit auszusetzen, kann das bedeuten, dass Du das komplette PJ noch mal von vorne starten musst. Bei uns hieß es diesbezüglich, dass das PJ innerhalb von 2 Jahren nachzuholen ist, ansonsten beginnst Du das komplette Jahr von neuem. Du solltest Dir also gut überlegen, in welchem Zeitraum Du schwanger wirst, denn wenn dies zum Beispiel am Anfang Deines Praktischen Jahres passiert, hast Du mehr Monate, die Du noch nachholen musst, weshalb 2 Jahre etwas knapp werden können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich Deine finanzielle Lage. Manche Studenten beziehen BAföG und durch eine Schwangerschaft kann sich dies schnell ändern. Wenn Du nämlich im PJ bist, bist Du eigentlich scheinfrei. Die Leistung des Praktischen Jahres kann während einer Schwangerschaft nicht anderweitig erbracht werden, was heißt, dass Du streng genommen im Moment nicht studierst. Das BAföG- Amt hat für uns Studentinnen hier keine einfache Lösung parat. Denn während Deiner Schwangerschaft wird Dir zwar die ersten 3 Monate das BAföG weitergezahlt, danach ist damit Schluss und Du musst Dich selbstständig darum kümmern, Sozialleistungen zu beantragen. Jeder, der sich schon mal mit dem BAföG-Amt auseinandergesetzt hat, weiß, wie lang es jedoch dauern kann, bis ein Antrag genehmigt wird. Auch bei der Beantragung der Sozialleistungen kann es sein, dass Du länger auf Dein Geld wartest. Ich würde Dir deshalb empfehlen, schon vorher etwas Geld anzusparen, denn Du wirst das Geld brauchen, um nicht vollkommen in Existenzängsten unterzugehen.
Du siehst also, dass das PJ nicht so leicht mit einer Schwangerschaft vereinbar ist und gerade für Studentinnen einige Hürden birgt. Ich möchte Dich jedoch nicht entmutigen und kann Dir als kleinen Tipp mitgeben, dass die Planung und Organisation auch in diesem Fall das wichtigste ist. Sichere Dich in jedem Falle ab und nehme frühzeitig Kontakt zu Deinen PJ-Koordinatoren auf.
Jede Schwangerschaft ist anders. Das heißt auch, dass der Betriebsarzt für Dich das Risiko individuell abwägen muss. Du solltest in jedem Falle mit dem Betriebsarzt sprechen und bei Schwierigkeiten Deine Lage erklären. Vielleicht kann eine gemeinsame Lösung für alle Beteiligten gefunden werden, sodass Du Dich nicht während der Schwangerschaft mit Existenzängsten herumschlagen musst.
Diese Missstände sind der Politik schon seit einiger Zeit bewusst, doch noch immer wurde keine Änderung dieser vorgenommen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass sich in den nächsten Jahren etwas ändert und Du die Möglichkeit bekommst, auch Dein letztes Jahr des Studiums ohne größere Störfaktoren und Druck erfolgreich zu beenden.