Im Juni war es wieder so weit. Die Universität Witten/Herdecke öffnete ihre Türen für ihre kleinen Gäste und begrüßte diese im Teddykrankenhaus. In diesem Jahr habe ich das Teddy-Krankenhaus als Studentin mitunterstützt und möchte Dich in diesem Bericht durch die provisorisch errichtete Klinik führen.
Was ist eine Teddy-Klinik?
Doch fangen wir ganz von vorne an: Was ist eigentlich das Teddy-Krankenhaus und wieso ist es so wichtig? Das Teddykrankenhaus wird nicht nur an der UWH angeboten, sondern mittlerweile auch an vielen anderen Universitäten. Der Gedanke hinter dem Krankenhaus ist es, den Kindern den klinischen Alltag spielerisch näherzubringen. In Deiner Famulatur in der Pädiatrie hast du es bestimmt schon erlebt, dass Kinder in Krankenhäusern enorm ängstlich auftreten und jegliche Annäherung meist verweigern. Meist ist so ein Besuch im Krankenhaus somit für die Familie mit enorm viel Stress verbunden und sobald sich das Kind in die Situation hineingesteigert hat, kann der Kreislauf auch sehr schwer durchbrochen werden. Leider kann durch die knapp begrenzte Zeit im Krankenhaus auch keine angenehme Lösung für die Kinder gefunden werden, weshalb der Arzt dann teilweise sehr rigoros sein muss. Das wiederum ist ein traumatisches Ereignis für das Kind, weshalb schon beim nächsten Krankenhausbesuch diese Assoziation besteht und das Geschrei von neuem losgeht. Ein Teufelskreis also. Doch wie kann man dieses durchbrechen?
In diesem ganzen Chaos haben sich Medizinstudierende eine tolle Lösung ausgedacht. Wie wäre es, wenn die Kinder für ihren Krankenhausaufenthalt schon vorher sensibilisiert werden. Am besten gelingt dies tatsächlich, wenn nicht das Kind im Mittelpunkt der Untersuchung steht, sondern ein ihm nahestehendes Kuscheltier. Die Kinder sollen also ihren Teddy in die Klinik bringen, weil dieser verletzt/krank ist und nun untersucht wird. Am Ende des Aufenthaltes wird das Kuscheltier durch die Ärzte wieder gesund und kann mit nach Hause. Durch diese Rolle lernen die Kinder erstmals, was bei dem Teddy überhaupt untersucht wird und wie die einzelnen Schritte ablaufen. Die Kinder können hierbei als Außenstehende zuschauen und dem Arzt auch noch die Krankengeschichte weiter erläutern. Außerdem übernehmen sie die wichtige Aufgabe, mit dem Teddy zu den einzelnen Stationen zu laufen und dem Kuscheltier die Behandlung zukommen zu lassen, die es braucht.
Das Teddy-Krankenhaus soll Kinder auf die erste Behandlung vorbereiten und eine schöne Assoziation mit dem Krankenhaus schaffen.
Das Teddy-Krankenhaus an der Universität WittenHerdecke ist mittlerweile eine nicht wegzudenkende Tradition. Aufgrund der großen Nachfrage findet es mittlerweile zweimal jährlich statt und wird komplett von Studierenden der Universität organisiert.
Planung und Vorbereitung mit Hilfe des DRK
Die Organisation dieses Projektes beginnt sehr früh, denn es gibt viele Aufgaben, die angegangen werden müssen.
Bevor es jedoch in die richtige Planung der Klinik gehen kann, muss erst mal der Raum über die Universität gebucht werden. Denn erst dann weißt Du, wie viel Platz Dir zur Verfügung steht und wann der konkrete Termin des Krankenhauses sein wird. Leider ist diese Aufgabe jedoch für die Studierenden nicht mit einem Klick gemacht. Du musst Dich aktiv dahinterklemmen und einige E-Mails verfassen, bis du tatsächlich eine verbindliche Zusage für Deinen gewünschten Raum bekommst. Ich habe mitbekommen, dass dies einige Monate in Anspruch nehmen kann, weshalb die Organisatoren schon sehr frühzeitig beginnen.
Ist der Raum bestätigt, geht es nun in die eigentliche Planung des Teddy-Krankenhauses. Es werden nun die vorhandenen Materialien abgezählt und auf einer Liste notiert, welche neu gebraucht werden. Damit kannst Du Dich dann zum Beispiel an das DRK wenden, denn vieles wird von diesem bereitgestellt. Die Studierenden planen dann den genauen Ablauf des Tages und fangen an, die umliegenden Kindergärten für den Tag einzuladen. Nach einer Bestätigung der Teilnahme kann der Tag weiter strukturiert werden und damit es keinen Überlauf im provisorisch errichteten Wartezimmer gibt, werden die Kindergärten nun auf eine bestimmte Zeitspanne eingeplant.
Im nächsten Schritt müssen ausreichend Studierende für den Tag organisiert werden. Dafür wurde uns eine Rundmail mit den genauen Eckdaten geschickt. Wichtig war es, dass die Studierenden wirklich verbindlich zusagen, damit es kurzfristig nicht zu großen Schwierigkeiten kommt. Wir konnten uns hierbei für eine Schicht oder zwei Schichten eintragen. Die Morgenschicht ging von 8-12 Uhr und die Nachmittagsschicht dann von 13-17 Uhr.
Ich hatte tatsächlich nicht sehr viel mit der Vorplanung zu tun, sondern habe mich als Mithelferin für den Tag gemeldet und somit diesen erlebt. Ich sollte circa eine halbe Stunde vor meiner Schicht in dem Vorraum sein, damit mir und allen anderen erklärt werden konnte, wie der Ablauf vorgesehen war.
Mein Tag als Ärztin in der Teddy-Klinik
Die Teddy-Klinik bestand aus unterschiedlichen Stationen. Auf diese sollten wir Studierende uns gleichmäßig aufteilen, wobei wir darauf achten sollten, regelmäßig zu rotieren. Es gab dabei die Auswahl zwischen Aufnahme, OP-Saal, Röntgen, Untersuchungsraum, Apotheke, Zahnmedizin und das psychologische Gespräch. Die Stationen der Zahnmedizin und des psychologischen Gespräches wurden von Studierenden der Psychologie bzw. Zahnmedizin betreut, weshalb ich damit wenig Berührungspunkte hatte. Die Studierenden, die nicht auf die jeweiligen Stationen verteilt waren, sollten aus dem Warteraum ein Kind mitnehmen und mit diesem gemeinsam die einzelnen Stationen durchlaufen. Wobei die Aufnahme an erster Stelle stand. Alle anderen Stationen waren frei wählbar. Es lag jedoch in der Verantwortung der Studierenden, alle Stationen abzudecken, damit die Kinder auch wirklich alles mitkriegen.
Ich begann erst mal im OP-Saal. Hier standen mir ganz unterschiedliche Materialien vom Nähzeug bis Pflaster zur Verfügung. Hier wurde selbst die Narkoseeinleitung mit einer kleinen Flasche und Maske improvisiert! Wenn ein Kind diese Station betrat, erfragte ich erst mal, was das Stofftier denn hatte und begann dann die Vorbereitung der Maßnahme. Dabei ist es enorm wichtig, die Kinder miteinzubeziehen und diesen zu erklären, was man eigentlich wieso macht. Die Kinder durften auch teilweise mitmachen und beispielsweise das Pflaster am Ende aussuchen und aufkleben. Dann sollte das Stofftier noch gefragt werden, ob es ihm wieder gut ging.
Beim Röntgen wurde fleißig geröntgt, wobei immer eine Brille aufgesetzt werden musste, damit die Kinder auch hier schon erlernen, dass der Raum verlassen werden muss. Nach dem Röntgen zeigte ich ihnen dann die Bilder und fragte, ob ihnen dabei irgendetwas komisch vorkam.
Zu guter Letzt ging ich dann noch mit einigen Kindern rum und besuchte die einzelnen Stationen. Bei der Untersuchungsstation durften die Kinder selbst ran und ihre Kuscheltiere mit den Materialien untersuchen. Dabei wurde fleißig Blut abgenommen, in die Ohren geschaut und Fieber gemessen.
Fazit: Mit Spaß zum Vertrauen
Die Teddy-Klinik war sehr gut organisiert und hat allen sehr Spaß gemacht. Die Kinder waren begeistert und haben sich sehr über diese Erfahrung gefreut. Ich persönlich finde das eine enorm gute Idee, um den Kindern den Schrecken vor dem Krankenhaus zu nehmen. Ich hatte jedenfalls viel Spaß und die Zeit ist sehr schnell verflogen. Ich kann Dir nur empfehlen, an diesem Projekt teilzunehmen und dieses weiterhin tatkräftig zu unterstützen!