Das Patensemester

Eines der grundlegendsten Unterschiede, die das Studieren in Witten etwas erleichtern, ist das Patensemester. Doch was genau ist das Patensemester und welche Aufgaben sollte es erfüllen? Das erfährst Du in diesem Bericht.

Jeder, der Humanmedizin an der UWH studiert, wird einmal in den Genuss kommen, ein Pate zu werden. Normalerweise ist dies im dritten Semester der Fall. Die neuen Studenten beginnen – wie Du damals – im Winter- bzw. Sommersemester ihr Studium an der Universität und sollten von Dir ein wenig Unterstützung bekommen, damit der Einstieg nicht allzu schwer fällt. Dabei hast du als Erstsemester nicht viel zu tun. Dein Pate wird Dir vorher semesterintern zugelost und dieser setzt sich dann vor dem Studium mit Dir in Verbindung. Meistens geschieht das per Mail, da die Studierenden noch keine anderen Kontaktdaten von Dir haben. Dadurch kannst Du schon deinen ersten Kontakt knüpfen und vielleicht fällt es Dir leichter, in der Stadt anzukommen. Ich habe meine Patin beispielsweise erst mal bei der Wohnungssuche unterstützt und sie dadurch schon etwas besser kennengelernt.

Die Vorbereitung für die Ankunft der Erstsemester beginnt jedoch schon viel früher. Das dritte Semester muss eine komplette Erstiwoche füllen und dabei darf neben den ganzen wichtigen Veranstaltungen der Universität der Spaß nicht zu kurz kommen. Es muss beispielsweise eine Wanderung und Immatrikulationsfeier organisiert werden. Außerdem steht die Büchervorstellung an und idealerweise auch ein Running-Dinner, um sich untereinander besser kennenzulernen.

Wir begannen mit der Planung schon Anfang des zweiten Semesters. Dabei erstellten die Semestersprecher erst mal unterschiedliche Komitees, damit die Aufgaben besser verteilt werden können. Es gab dann beispielsweise das Immmatrikulationsfeierkomitee, das Wanderkomitee, das Spielekomitee und ganz wichtig natürlich das Finanzkomitee. Um die ganzen Veranstaltungen zu organisieren und teilweise auch außerhalb der Universität zu planen, muss natürlich etwas Geld in die Hand genommen werden. Das Finanzkomitee hatte somit eine sehr ernst zunehmende Aufgabe, wobei dies nicht bedeutet, dass nur diese Studierenden für das Anschaffen des Geldes verantwortlich waren. In allen Komitees ging es vielmehr darum, ein Konzept zu erstellen und dieses dann an alle weiterzuleiten, sodass sich jeder beteiligen kann. In dieser Zeit fanden immer wieder Semestertreffen statt, in denen jedes Komitee einmal zu Wort kam und seinen aktuellen Stand wiedergeben sollte. Dadurch ging nichts unter und jedes Komitee wusste, dass sie bis zu einer bestimmten Zeit etwas liefern mussten.

Das Finanzkomitee hatte beispielsweise einen Waffelverkauf für jeden Montag geplant. Dazu mussten wir uns alle in einer Liste jeweils zu zweit oder zu dritt eintragen. Einmal musste sich jeder zum Verkaufen melden und ein anderes Mal zum Waffelteig vorbereiten. Das funktionierte ohne Probleme, da viele von uns sehr motiviert waren, die gute Erfahrung, die wir mit unseren Paten gemacht hatten, weiterzugeben.

Ich landete jedoch im Immatrikulationsfeierkomitee. Dieses Komitee ist eine kleine Besonderheit in Witten. Die Erstsemester werden offiziell vonseiten der Universität begrüßt und „eingeschult“. Für das Programm war das Patensemester – also primär wir – zuständig.

Das Patensemester beschäftigt sich jedoch nicht nur mit der Erstiwoche und den Veranstaltungen, sondern Dein Pate sollte Dir auch seine Hilfe bei Schwierigkeiten an der Universität anbieten. Ich habe beispielsweise meine Patinnen immer wieder gefragt, wie gut sie an der Universität zurechtkommen und ob ich sie mit Lernunterlagen oder anderweitigen Tipps unterstützen kann. Gerade am Anfang ist man durch das völlig andere Lernsystem (s. POL-Bericht) etwas verunsichert und weiß noch nicht genau, wie sehr man sich schon mit den einzelnen Themen beschäftigen sollte. In meinem anderen Bericht habe ich Dir auch erzählt, dass das Studieren ohne Vorkenntnisse gerade zu Anfang einen sehr beunruhigen kann. Ich habe deshalb als Patin sehr darauf geachtet, ob meine Patinnen den Anschluss an das Lernen nicht verlieren und auch nicht den Mut, „dumme“ Fragen zu äußern. Manchmal hat auch einfaches Gespräch bei einem Kaffee gereicht, um die Sorgen zu zerstreuen.

Durch diese Konstellation kann sich auch eine gute Freundschaft entwickeln, weshalb das für dich nur eine Win-Win-Situation sein kann. Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß beim Organisieren und Helfen der Erstis. Andersrum habe ich es damals auch sehr geschätzt, als ich im ersten Semester etwas von meiner Patin aufgefangen wurde und die Möglichkeit bekam, meine Sorgen bezüglich des MEQs zu äußern. Mir haben diese Gespräche und die Unterstützung sehr gutgetan und teilweise das Ankommen in Witten immens erleichtert.

Ich finde, dass diese Tradition Witten sehr besonders macht und sich dadurch auch als gute Universität auszeichnet. Wenn auch Du diese Möglichkeit an der Universität bekommen solltest, dann solltest Du sie in jedem Falle nutzen. Als Erstsemester wirst du sehr dankbar jeden Tipp aufsaugen und als Patensemester kannst Du dein Wissen und Deine gemachten Erfahrungen weitervermitteln, sodass alle von den jeweiligen Erfahrungen der Studierenden profitieren können. Das ermöglicht ein gutes Miteinander auch innerhalb der Fakultät und schweißt einen zusammen.